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Dieses Interview führte das pxe-netzwerk mit Dr. Berthold Struk, der hier allgemein verständlich die komplizierte genetische Forschung im Zusammenhang mit Pseudoxanthoma Elasticum erklärt.
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_Erkranken auch meine Kinder, wenn ich PXE habe?
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pxe-netzwerk:
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Herr Dr. Struk, Sie haben uns freundlicherweise eine Reihe von Postern mit neuen Forschungsergebnissen zu PXE zur Verfügung gestellt, die inzwischen auf unserer webpage zu lesen sind. Wir müssen gestehen, angesichts der komplizierten Materie verstehen wir als Laien fast nichts. Könnten Sie ganz kurz erklären, worum es dabei geht? |
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Dr. Struk:
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Die Poster zeigen Teile unserer wissenschaftlichen Arbeit an PXE hier in Berlin. Der Patientenfall zeigt ein typisches Beispiel für PXE-Patienten, die erst am Ende einer langen Kette von diagnostischen und therapeutischen Irrwegen erfahren, dass ihre eigentliche Grunderkrankung PXE ist. Das Beispiel zeigt weiter, wie wichtig eine sorgfältige Mutationsanalyse für die richtige Diagnostik und Beratung der Patienten ist.
Die meisten Patienten mit PXE suchen die genetische Beratung nicht für sich selbst, sondern um das Risiko für ihre Kinder, an PXE zu erkranken, bestimmen zu lassen.
Durch die genaue Analyse eines der PXE-Pseudogene sind wir in der Lage, sich darin versteckende Mutationen des wirklichen Gens aufzufinden und zu identifizieren.
In diesem Fall war dies besonders wichtig, da die Identifizierung von 2 Mutationen in diesem Fall klar stellt, dass PXE rezessiv vererbt wird, dass also sowohl Vater als auch Mutter eine defekte Genvariante von ABCC6 haben mussten, um sie an den Patienten zu vererben. Dies bedeutet gleichzeitig, dass der Patient zwar immer eine defekte Genvariante an seine Kinder vererbt, diese aber nur dann an PXE erkranken können, wenn die Mutter ebenfalls eine defekte Genvariante von ABCC6 vererben kann oder eine solche im Rahmen einer Neumutation auftritt. Abgesehen davon, dass man dies testen kann, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Mutter eine defekte Genvariante trägt oder eine Neumutation auftritt statistisch sehr gering. Von daher ist das Risiko der Kinder an PXE zu erkranken sehr gering, darüber hinaus kann man dies jetzt aber molekulargenetisch bestimmen und meistens ausschließen.
Die weiteren Poster zeigen Details und wichtige klinische Aspekte der Mutationsanalyse unter anderem den, dass PXE wahrscheinlich ausschließlich rezessiv vererbt ist, also ein Erkrankter alleine nicht das Vollbild der Erkrankung an seine Kinder vererben kann. |
| pxe-netzwerk: |
Wie viele Mutationen des PXE-Gens sind eigentlich bis jetzt gefunden worden? Und warum ist es eigentlich wichtig, nach Mutationen des Gens zu forschen? |
| Dr. Struk: |
Gefunden sind bislang ca 120-130 verschiedene Mutationen. Nicht nur die Mutationen sind wichtig, sondern auch das genetische Muster mit dem sie vererbt werden. Dieses Muster erlaubt Rückschlüsse auf die Herkunft der Mutationen. Das Fachwort dafür ist Haplotypanalyse. Grob vereinfacht kann man damit vielleicht mal die Frage beantworten, ob Adam und Eva bereits PXE hatten, ob Hannibal PXE nach Italien eingeschleppt hat oder ob die Wikinger oder die Römer PXE nach Großbritannien gebracht haben. So viel nur zur Anregung der Fantasie über Vererbungsmusteranalyse. In der Realität konnten wir zeigen, woher die in Amerika gefundenen Mutationen aus Europa kamen. |
| pxe-netzwerk: |
Gibt es neue Erkenntnisse zur Vererbung von PXE? |
| Dr. Struk: |
Wie schon gesagt, unsere Daten stützen zur Zeit nur eine rezessive Vererbung von PXE. Andere Gruppen waren und sind da zum Teil anderer Meinung. |
| pxe-netzwerk: |
Eine Frage, die Betroffene immer wieder stellen: Man kennt jetzt das PXE-Gen, dann müßte doch eigentlich ein Gen-Test möglich sein. Wir Laien stellen uns das ganz einfach vor: ein paar Tropfen Blut ins Labor schicken und rucki-zucki weiß man sicher, ob man PXE hat oder Träger des PXE-Gens ist. So ein Gen-Test wäre für Paare mit Kinderwunsch ganz wichtig. |
| Dr. Struk: |
Dies ist auch möglich, allerdings nicht so einfach, wie dies teilweise in grober Vereinfachung falsch dargestellt wird. Es gibt keinen kompletten Genschnelltest, der innerhalb von Stunden mit kompletter Sicherheit beantwortet, ob man ein Risiko hat, an PXE zu erkranken oder nicht.Innerhalb von Stunden kann man nur feststellen, ob jemand bereits bekannte Mutationen hat. Dies ist einfach, die Methoden sind dafür schon lange bekannt und müssen nur auf PXE (ABCC6) angewendet werden Wenn dies nicht der Fall ist, muss man nach wie vor das komplette Gen sequenzieren, also vereinfacht gesprochen, Buchstabe für Buchstabe der Genschrift analysieren. Das Gen hat 4535 Buchstaben plus zusätzliche Buchstaben, die nicht in ein Eiweiß übersetzt werden, die richtige Übersetzung aber beeinflussen (Fachwort: splice sites). Deshalb wird eine komplette und schnelle Analyse des Gens erst zukünftig mit Chiptechnologie möglich sein, momentan erfordert dies noch aufwendigere Methoden und ist kommerziell für ca 3000 bis 5000 Euro pro Patient zu haben, wenn dies die komplette Analyse erfordert. |
| pxe-netzwerk: |
Vielen Dank Herr Dr. Struk für das Gespräch. Unsere Patienten sind sehr dankbar dafür, dass Sie ihnen einen Zugang zu dieser schwierigen Materie eröffnet haben. |
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